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Eigentlich ist es absolut innovativ. Der Edeka in List führt Self-Scan Registrierkassen ein. Klingt zunächst nicht dramatisch. Diese Art Kassen gibt es bereits in etlichen Supermärkten in der Republik. Fortschrittlich – es macht aber auch deutlich, wie leicht Arbeitsplätze wegfallen können.

Auf dem Festland liegen die Gründe meist im wirtschaftlichen Bereich. Berechnet man die Personalkosten für einen Kassierer und rechnet die Kosten für ein digitales Kassensystem durch, dann wird sich dies – den Kontostand betrachtet – lohnen. Eigentlich aber eher traurig. Im Falle der Lister Edeka Filliale sind die Gründe jedoch nachvollziehbar. Auch im Einzelhandel herrscht auf dem Arbeitsmarkt eine große Nachfrage auf der Insel. Der Grund für diese Not ist meist nicht die geringe Bezahlung. 

Es ist immer wieder der akute Wohnungsmangel, der als Katalysator für eingeschränkte Öffnungszeiten und Personalverlust bezeichnet wird. List nimmt, ähnlich wie Hörnum, auch hier eine Sonderstellung ein. Denn vom Festland nach Sylt zu kommen, ist die eine Sache. Mit dem Bus dann aber noch einmal 30-45 Minuten Zeit zu investieren um in den Inselsüden bzw. Norden zu kommen die andere. So wirken sich in diesen Orten fehlende Wohnungen extrem aus. Es bleibt also nur der Vorstoß in die Technik, um das Problem zu beheben oder nicht? Zeit dafür, eine ganz andere Idee auf den Plan zu bringen. 

Am Sylter Schulzentrum gab es ihn noch. Den Tante Emma Laden. Ein kleiner, doch fein sortierter Laden, in dem die Inhaberin selbst hinter dem Kassentresen stand. Man konnte immer ein Schwätzchen halten – man kannte sich und meist wußte sie um die Wünsche ihrer Kunden. Die kleinen und großen Bestellungen wurden liebevoll durchgeführt. Keine Frage zuviel – und falls das gewünschte einmal nicht da war, wurde es kurzerhand besorgt. Noch immer ist der Duft der frischen Brötchen in meinen Synapsen verankert. Und die Entäuschung war groß, wenn bereits alle Brötchen in Papiertüten verpackt waren und die Namen der jeweiligen Empfänger drauf vermerkt waren. Diese wurden mit Namen begrüßt und freuten sich über die frischen Sonntagsbrötchen. Vielleicht holte ja der ein oder andere die Brötchen nicht ab. Und sowieso: Frau Hansen war doch im Urlaub und brauchte die nicht. Dann hatte man Glück und konnte die Tüte übernehmen. 

Was spricht also dagegen, einen kleineren Laden zu eröffnen, der mit einer Person betrieben werden kann? Im Winter hat sich die Anzahl der Gäste ohnehin verringert und die Einheimischen würden einem kleinen Tante Emma Laden sicherlich den Vorzug geben.

Lidl, Penny, REWE oder Aldi stehen für das Konzept Massenkonsumtempel. Edeka verkauft sich in der Werbung als emotional und persönlich geführtes Geschäft, das auf den regionalen Markt vertraut. Leider verkommt nun auch diese Idee zum Einzelhandel ohne Seele. Statt einem fröhlichen Moin nur angepiept zu werden. Schwer vorstellbar und doch real. So verliert Sylt noch mehr an Charme und Charakter. Der Begriff Center-Park Sylt rückt näher ins Blickfeld. 

Aber wer weiß. Vielleicht öffnet irgendwo bald wieder ein Laden, in dem man persönlich begrüßt und bedient wird. Die Preise dürften nicht sonderlich höher sein….

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