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TSV Westerland in der 3. Liga

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TSV Westerland
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TSV Westerland – Die Sonntage der  70er,80er und Anfang der 90er Jahre waren im Sylt-Stadion immer auch kleine Volksfeste. Schon wenn man über den Parkplatz am Schützenhaus lief, hörte man die übersteuerten Lautsprecher “Fußball ist unser Leben”,  je nach Windrichtung lauter oder leiser quäken. Der Eintritt war recht hoch, deshalb versuchten wir immer irgendwie kostenlos reinzukommen. Mal kletterten wir über den Zaun oder wir schauten uns die Spiele von der Düne aus an.

Ich erinnere mich an Zigarrenduft, der bei jedem Heimspiel über die Stehplätze waberte. Überdachung gab es nicht. Wenn es windig war oder es regnete – dann rutschte man zusammen. Es war eine unschuldige Zeit. Für die Sylter Jugendlichen, aber auch für den Lieblingssport der Deutschen. Diese Ära war die Hochzeit des Sylter Fußballs. Unzählige Sylter  Mannschaften spielten auf der Insel um Punkte. TSV Westerland hatte gleich drei Mannschaften. Aber auch in Tinnum, Rantum, Wenninsedt oder Morsum wurde dem Ball nachgejagt. Der Ball rollte. Und unser Aushängeschild war die erste Mannschaft des TSV Westerland.

Wie die Inselkicker es in die 3. Liga schafften

Begonnen hat für den TSV Westerland alles Mitte der 60er Jahre, als Dr. Erwin Kraatz im Westerländer Vereinsfußball das Heft in die Hand nahm. Er gründete einen Förderverein und gemeinsam wurden Teams wie der Hamburger SV, Werder Bremen oder Hertha BSC auf die Insel geholt, um Freundschaftsspiele durchzuführen. Das brachte natürlich Zuschauer ins Sylt Stadion.

Mit der aus den Einnahmen verstärkten Mannschaft gelang der Durchmarsch aus der Kreisliga Nordfriesland – wo man unter anderem den SV Enge Sande mit 26:0 besiegte – bis in die dritte Liga, der damaligen Landesliga. 1970 war das erfolgreichste Jahr der Westerländer. Das Tean bestand aus einer Art Schleswig Holstein Auswahl.

Im DFB Pokal kam der TSV unter die letzten 32 Mannschaften. Als einziger Landesligist damals eine Sensation, denn der Unterschied zwischen den Profiteams und den Amateurkickern aus den unteren Ligen war riesig. Größer als heute., wo unzählige Nachwuchskicker aus den Leistungszentren der Bundeligisten in den vierten oder dritten Ligen spielen. Für die Sylter wurde in dieser Saison ein Traum wahr. Ausgelost wurde Borussia Dortmund. Der heimische Bastianplatz wurde von den Profikickern für untauglich erklärt. Zu hoch war die Verletzungsgefahr.

Heimspiele des TSV Westerland auf dem Bastianplatz

Der Grandplatz war eine Mischung aus Sand und kleinen Steinen, die so manchem Spieler Narben für die Ewigkeit bescherten. Ich habe auch noch ein paar nette Narben. Bei einer unglücklichen Grätsche, sahen die Oberschenkel schon einmal aus wie ein Hacksteak.

Mittlerweile´gibt es den Bastianplatz  nicht mehr. Er musste den Wohnblöcken weichen, die nun in der gleichnamigen Straße stehen.

Aber wer den Sportplatz noch kennt, der kann sich ausmalen, was dort in den ersten Runden des DFB Pokals los war, als die Sylter den Regionalligisten Bremerhaven  (2.Liga) mit 1:0 aus dem Pokal geworfen hatten. Die 3.500 Zuschauer auf den engen Rängen müssen einen Heidenlärm gemacht haben, als “Haschi” Jannsen das entscheidende 1:0 erzielte. 

Nun ging es gegen den Bundesligisten aus Dorrmund. Die kamen mit Nationalspielern wie Siegfried Held in den Reihen. Vielleicht lag es am Stadion in Leck, vielleicht auch an der falschen Taktik. Statt wie sonst mit offenem Visier stellten sich die Nordfriesen hinten rein. Eine weitere Erklärung war die Vorbereitung. Es ging extra ins Trainingslager und vor dem Spiel machte man sich profimässig warm.

Doch der große Aufwand schien die Inselkicker erschöpft zu haben. Borussia Dortmund war eine Nummer zu groß. Mit 0:4 ging das Spiel für die Westerländer verloren. 14.000 Zuschauer sahen dieses DFB Pokalspiel. Für die Sylter Spieler war es “das Spiel des Lebens”.

Dr. Erwin Kraatz, Herbert Seiler und einige andere, lockten Spitzenspieler wie Volker Popp, Ketel Prahl, Boy Möller, Ralf „Schlappi“ Bröckler. und viele weitere auf die Insel. Eigentlich war der TSV Westerland eine Landesauswahl, deren Spieler zum Teil auf dem Festland trainierten.

1974 schafften es die Sylter, die zu den Spitzenmannschaften in Schleswig-Holstein gehörten, nochmals den Landespokal zu gewinnen, bevor langsam aber stetig der Abstieg begann. Ende der 70er und in den 80ern hielt man sich noch in der Verbandsliga, der vierthöchsten Liga und blieb dort über zwei Jahrzehnte eine feste Größe.  

TSV Westerland

Der Abstieg des TSV Westerland

Doch die alten Helden wurden irgendwann müde und als Dr. Erwin Kraatz verstarb, wurde es auch finanziell eng. Es folgte der Abstieg des TSV Westerland in die 5. Liga und eine neue Spielergeneration um Ralf Möller und Detlev Andersen oder auch der Rantumer Holger Schulz übernahm das Ruder. Nicht weniger begabt, doch fielen sie aus, dann kam wenig gleichwertiger Ersatz von der Bank.

Mit einem reinen Sylter Team, in dem unter anderem Stephan Klaus, Jörg Ückermann, Markus Heiliger, Willy Maron, Eric Wedell oder Marc Valentin zum Einsatz kamen, sollte der Wiederaufstieg gelingen. Noch bis Anfang der neunziger Jahre spielte der TSV Westerland in der Landesliga. Derbys gegen Flensburg 08 oder Rot Weiss Niebüll sorgten im Sylt Stadion für volle Tribünen.  Aus dem TSV Westerland wird dann das Team Sylt.

Gegen starke Festlandteams reichte es irgendwann nicht mehr und die Bezirksliga bzw. Bezirksklasse wurde für ein paar Jahre das neue zuhause der Sylter. Anfang des neuen Jahrtausends wurde mangels Spielermaterial dann das Team Sylt aus den Sylter Vereinen gegründet. Dieses spielt bis heute in den unteren Ligen des Kreises. Mit dem SC Norddörfer ist das Zepter der besten Mannschaft nach Wenningstedt weitergegeben worden. Apropos SC Norddörfer…. Da gab es noch den FC Sylt

Einen neuen Anlauf unternahm 2008 der umtriebige Unternehmer Volker Koppelt. Er wollte es Kraatz und Co. gleichtun und mit dem FC Sylt bis in den bezahlten Fußball vordringen.  Dies gelang anfänglich auch. Von der Kreisklasse B (10. Liga) bis in die Bezirksliga marschierte die Truppe durch die unteren Ligen. Die zusammengekaufte Truppe schickte die Konkurrenz mit hohen Niederlagen auf das Festland. Sogar das überregionale Fernsehen interessierte sich für den Mini-Hopp vom Watt. Die Sylter interessierten sich übrigens wenig für die Emporkömmlinge.

Koppelt überwarf sich jedoch schon bald mit dem SC Norddörfer und suchte sich ein Team (FC Haddeby) auf dem Festland, dessen Startplatz für die Kreisliga erneut als Sprungbrett in die nächsten Ligen sorgen sollte, denn dem neu gegründete FC Sylt wurde das Spielrecht im Sylt Stadion verwehrt. So gründete Koppelt eine Sportgemeinschaft Haddeby Sylt.

Maik Wilde vom TSV 1860 München und viele andere ehemalige Profis folgten dem Ruf des Geldes. Summen wurden nie genannt. Aber es soll für Kreisligaverhältnisse utopisch viel gewesen sein. So soll Marcel Rath 200.000 Euro erhalten haben.

223:11 Tore standen am Saisonende der Kreisliga Schleswig in den Büchern. Die in die Jahre gekommeneb Ex-Profis räumten in der Provinz ab.

Doch der Plan mit dem Aufstieg in die Schleswig Holstein Liga scheiterte zunächst. Denn Spielgemeinschaften, und das war die SG Sylt-Haddeby durften nicht aufsteigen. Folglich blieb nur der Weg, den FC Haddeby in die Kreisliga zurück zu schicken uind den Startplatz in der Verbandsliga mit dem FC Sylt einzunehmen.

So klappte im Sommer 2010, sechs Jahre nach Start der Ära Koppelt, der Aufstieg der als Legionärstruppe verschrieenen Mannschaft. Die Berichterstattung im lokalen und überregionalen Sport wurde kritischer. Das Geld nicht immer Tore schießt musste Koppelt dann in der Schleswig-Holstein Liga erfahren. Dort reichte es nur für einen dritten Platz und für internen Zwist.

Nachdem der Aufstieg in die nächste Ligenstufe nicht klappte und somit klar wurde, dass es statt der Regionalliga wieder nur für die Schleswig-Holstein-Liga reichen würde, nahm Koppelt einen erneuten Anlauf. Mit mittlerweile großén Finanzproblemen aber Dietmar Hirsch als Trainer. Der hatte vorher als Spieler in Mönchengladbach gespielt und war sportlicher Leiter beim VFB Lübeck. Das Team wurde umstruturiert, Viele Spieler aus Hamburgs höchster Amateuliga bildeten nun die Basis für den Kader.

Im September 2011 kam es dann zu tumultartigen Szenen in der Umkleidekabine.

Von nicht gezahlten Gehältern war die Rede und der Trainer wurde kurzerhand entlassen. Koppelt stellte lieber selber auf. Ein Team hatte er dann nicht mehr, denn die Spieler wollten natürlich für ihre Dienste viel Geld haben. So war das Kapitel FC Sylt bald beendet. 2012 war der wilde Ritt von der 10. in die 4. Liga gestoppt worden und der Mäzen zog den FC Sylt aus dem Spielbetrieb ab.

Vielleicht wird irgendwann jemand kommen und sich dem darbenden Sylter Fußball annehmen und ihn in die oberen Ligen führen. Die Zeit des TSV Westerland zwischen 1965 und 1990 bleibt unvergessen. Doch damals wie heute gilt: Geld regiert die Welt. Aber das sollte auf der Insel weniger das Problem sein…

Der TSV Westerland ist natürlich weiterhin der größte Verein der Insel und ist in der Sparte Handball durchaus erfolgreich.

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TSV Westerland Homepage

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