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Wo die Dünen wandern: Sylts Natur erzählt sich selbst

Sylt hat ein Geheimnis, das jenseits der Champagnerbars beginnt: seine Natur. Sie braucht keine Bühne, sie ist eine. Kommen Sie mit auf eine kleine Reise von Nord nach Süd.

Der Norden, der sich nicht zähmen lässt Ganz oben, am Ellenbogen in List, endet Deutschland in Sand und Wind. Autos zahlen Maut, Fahrräder nicht – die Natur hat Humor. Nebenan wandern die Lister Dünen tatsächlich, langsam und würdevoll, wie in Zeitlupe. Und die Uwe-Düne spielt mit 52,5 Metern den Mount Everest der Insel; wer die 110 Stufen nimmt, darf sich oben kurz wie ein Entdecker fühlen.

Zehn Millionen Jahre erzählen Am Roten Kliff und am Morsum-Kliff blättert die Erde ihr Tagebuch auf: zehn Millionen Jahre auf wenigen Quadratkilometern. Eine geologische Führung liest die Kapitel vor. Ein Insel-Makler würde es so zusammenfassen: „Sicherung Ihrer Immobilieninvestition für die nächsten Äonen.“

Der Süden, der Frieden gefunden hat Das Rantumbecken, einst als Wasserflugplatz gedacht, wurde zum Fünf-Sterne-Spa für Zugvögel. Das Wattenmeer, UNESCO-Weltnaturerbe, ist ein Whirlpool ohne Chlor, dafür mit Schlick. Draußen im Walschutzgebiet ziehen Schweinswale ihre Jungen groß, und an der Hörnum-Odde schreibt die Nordsee das letzte Kapitel gerade selbst – sie holt sich Land zurück.

Nachwort Wer die ganze Geschichte hören will, fragt bei der Naturschutzgemeinschaft Sylt oder im Naturzentrum Braderup. Und danach, das ist die eigentliche Pointe, schmeckt der Crêpe in Westerland doppelt so gut.

Auch interessant: Warum die Friesen im Sitzen schliefen – eine Sylt-Geschichte · Bloß nicht selber denken: Sylt zum Führenlassen


📚 Buchtipp

Söl. Ich. – Ein Geständnis der Insel Sylt. Von Alex Lenz, fotografiert von Nick Bosch, illustriert von Lotte Dänner. Das Buch führt an 99 Orte auf Sylt – vom Ellenbogen bis Hörnum, von der Blidselbucht bis zum Friedhof der Heimatlosen. Kein Reiseführer – ein Geständnis. 19,90 Euro, Subskriptionspreis. Jetzt bestellen.

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Die Geschichte vom Gast, der eine Möwe unterschätzte

Es war einmal ein Gast, der wollte alles richtig machen. Fast wäre es ihm gelungen. Woran es scheiterte und wie es besser geht – eine kleine Strandgeschichte in fünf Kapiteln.

Kapitel 1: Das Meer hat immer recht Unser Gast wollte beweisen, dass er stärker ist als die Nordsee. Die Nordsee fand das niedlich. Wer an bewachten Stellen badet, wo Rettungsschwimmer die Strömungen kennen, erlebt so eine Lehrstunde gar nicht erst. Merke: Die Naturgewalt gewinnt, und zwar jedes Mal.

Kapitel 2: Die Düne, die sich rächte Dann entdeckte er die Dünen – so weich, so einladend. Was er nicht wusste: Der Strandhafer hält seit 1978 aus gutem Grund die Insel zusammen und verzeiht keinen Fußtritt. Wer auf den Wegen bleibt und die Strandburg flach hält, bleibt mit der Flut im Reinen.

Kapitel 3: Die Möwe schlägt zu Beim Fischbrötchen kam die Wende. Eine Silbermöwe, elegant wie ein Postkartenmotiv, entpuppte sich als Taschendieb der Lüfte. Füttern verboten – in Westerland sogar teuer. Die Moral: Das Eis isst man allein, tapfer und mit Blick nach oben.

Kapitel 4: Der Drachen und die Vernunft Sein Lenkdrachen zog straff auf Augenhöhe – für Spaziergänger kein Vergnügen. Also: nur auf freigegebenen Abschnitten fliegen, weit weg von Badegästen und Vogelschutz. Ende gut, Kopf dran.

Kapitel 5: Der Friesenwall, der nicht Sitzbank sein wollte Zum Schluss setzte er sich auf einen Friesenwall. Der Wall, mühsame Handarbeit und empfindlich, gab nach. Der Hausbesitzer nicht. Wer nur guckt und nicht anfasst, erspart sich diese letzte Lektion – und behält alle auf der Insel lieb.

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