Schlagwort-Archiv: Sylt aktuell

Fünf Tage, fünf Stimmungen: Sylts Veranstaltungswoche vom 15. bis 19. Juli

Eine Inselwoche im Juli hat ihren eigenen Rhythmus – und die kommende hat gleich fünf Taktarten. Zwischen dem 15. und 19. Juli spannt sich der Bogen auf Sylt von Blasmusik an der Promenade bis zur Stille der Salzwiesen. Wer mag, kann jeden Abend eine andere Insel erleben.

Erst die Blechbläser, dann der Poet

Der Mittwoch gehört dem Westerländer Musikverein an der Musikmuschel – Blasmusik, Jazz, Pop und Musical-Melodien, während hinter der Bühne die Nordsee rauscht. Der Donnerstag zieht weiter nach Wenningstedt, wo Deutschlands nördlichstes Blasorchester, der Norddörfer Musikverein, den Kapellenplatz bespielt, bei gutem Wetter unter freiem Himmel. Und am Freitag wird es still im besten Sinne: Klaus Hoffmann, seit über fünfzig Jahren auf der Bühne, singt im Alten Kursaal Westerland – neue Songs, alte Klassiker, begleitet nur vom Pianisten Nikolai Olof. Ein Abend, für den man das Handy freiwillig ausschaltet.

Beats am Strand, Wind in den Wiesen

Der Samstag dreht auf: Das Trio Mono Beach bringt den Kapellenplatz mit Deep-House zum Schwingen – elektronische Beats, dazu Saxophon, Handpan und Percussion, live gespielt. Strandbar-Gefühl ohne Abflug. Und der Sonntag beruhigt wieder: Eine geführte Tour durch die Rantumer Salzwiesen erklärt, warum der Queller dort überlebt, wo andere Pflanzen aufgeben, und was die Wiesen im Stillen fürs Klima leisten. Fünf Tage, fünf Stimmungen – mehr Insel geht in einer Woche kaum. Bewegte Bilder dazu im Video-Beitrag auf YouTube.


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Sylt aktuell: Die Kröte von List – was vom Dünenpark-Versprechen übrig bleibt

Ein Essay zur Mietdebatte im Dünenpark List.

Beim Spatenstich für den Dünenpark List flossen Tränen der Rührung: günstiger Dauerwohnraum für rund 600 Insulaner, mitten auf Sylt, 10,50 Euro Kaltmiete – ein Versprechen wie ein Sonnenaufgang. Seit dem 9. Juli steht eine andere Zahl im Raum: 16 Euro, beschlossen von der Lister Gemeindevertretung für die Häuser Schwester 1 und 2. Mit Nebenkosten mehr als 20. Und die Insel streitet, ob hier ein Wort gebrochen oder ein Projekt gerettet wurde.

Das Versprechen hatte einen Motor – und der stottert

Die 10,50 Euro waren nie ein Geschenk, sondern eine Rechnung: Der Verkauf von rund 60 Ferienhäusern und 90 Eigentumswohnungen sollte die günstigen Mieten quersubventionieren. „Bencksche Kröte“ nannte man das – man schluckt die Ferienhäuser, dafür wohnen die Insulaner bezahlbar. Kalkuliert wurde 2020/21, als Geld nichts kostete und Ferienimmobilien auf Sylt gekauft wurden wie Brötchen. Dann stiegen die Baukosten um ein Drittel, die Zinsen vervielfachten sich, der Markt kippte. Die Kröte liegt seitdem schwer im Magen – aber das Geld, das sie bringen sollte, kam nie an.

Nun wird dem Entwickler BIG BAU Böswilligkeit unterstellt: geködert und ausgepresst. Nur sitzt dieser Entwickler selbst auf unverkauften Millionenwerten und monatlichen Zinsen – wer so plant, plant schlecht, aber nicht böse. Anderswo in Deutschland stehen die Zwillinge dieses Projekts als Bauruinen in der Landschaft oder vor Gericht. In List brennt abends Licht in den Fenstern.

Was bleibt: eine Schuld mit Gedächtnis

Die Kritiker behalten trotzdem recht, wo es wehtut: Über 20 Euro warm sind kein „bezahlbarer Wohnraum“ mehr, egal wie nachvollziehbar die Gründe sind. Und dass die Vertragsänderungen weitgehend ohne öffentliche Debatte blieben, ist ein Versäumnis, das Vertrauen gekostet hat – ausgerechnet das Kapital, von dem solche Projekte leben. Deshalb gilt ab jetzt: Wenn die Ferienhäuser sich wieder verkaufen, muss die Miete den Rückweg antreten. Wer in der Not erhöht, schuldet in besseren Zeiten die Senkung.

Die Gemeindevertretung hat sich zwischen einem beschädigten Versprechen und einem gescheiterten Projekt für das beschädigte Versprechen entschieden. Es war die verantwortliche Wahl, nicht die schöne. Manchmal ist eine geplatzte Zusage kein Betrug – sondern nur der Preis dafür, dass am Ende überhaupt jemand wohnt.


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